Deshalb werden wir uns auch weiterhin intensiv für den Natur- und Umweltschutz in Berlin und Brandenburg engagieren. Wir werden unseren unzähligen Besuchern und Kursteilnehmern die dramatischen Umwelt- und Klimabelastungen von Tegel noch deutlicher vor Augen führen. Und wir werden Ihnen erklären, dass Billigflüge kein nachhaltiges Konzept darstellen, weder ökologisch noch ökonomisch. Das Ende von Air Berlin ist der sichtbare Beweis dafür.

In unserer täglichen Arbeit kommen wir oft mit Menschen ins Gespräch. Ein wichtiges Thema dabei ist der Problemflughafen. Viele Menschen teilen unsere Sichtweise zur Schließung von Tegel, leider jedoch nicht alle. Vielleicht ist der Grund dafür der, dass es der Senat nicht geschafft hat, den Bürgerinnen und Bürgern die Angst zu nehmen, ab 2019 keinen Flughafen in Berlin zu haben, wenn der neue BER bis dahin nicht betriebsbereit sein sollte. Vielleicht hätte eine mutigere Kampagne gegen den Widerstand der beruflichen Vielflieger und Billig-Airlines viele Berlinerinnen und Berliner für eine Schließung Tegels begeistern können. Vielleicht hätte eine bessere Präsentation des Nachnutzungskonzeptes für Tegel viele Bürgerinnen und Bürger ihren Widerstand zugunsten neuer Arbeitsplätze und bezahlbarer Wohnungen aufgeben lassen. Vielleicht …

Was wir in der jetzigen Situation dringend brauchen ist Ehrlichkeit! Die Berlinerinnen und Berliner müssen endlich wissen, wie sich der Senat positionieren wird. Wir müssen wissen, ob der Senat zu seinem gegebenen Versprechen steht und Tegel schließen wird, oder ob die Politik ein weiteres Mal vor den Interessen der kapitalkräftigen Lobby-Organisationen und Unternehmen einknicken wird. Wir müssen wissen, ob die Bequemlichkeit der Meilensammler wichtiger ist, als der Schutz vor Lärm und Feinstaub für Hunderttausende von Betroffenen in der Einflugschneise. Wir müssen wissen, ob die Klimaziele des Berliner Senats ernst gemeint sind, oder ob sie nur eine Verschleierung des in der Politik üblichen „Weiter so!“ sind.

Nach wie vor sind wir felsenfest davon überzeugt, dass wir in Berlin keine zwei Flughäfen benötigen. In unserer letzten Stellungnahme vom Juli 2017 hatten wir angedeutet, dass die zweitgrößte deutsche Fluglinie mit Problemen zu kämpfen hat. Und wir hatten Recht. Nur kurze Zeit später folgte die Insolvenz mit anschließender Aufspaltung und Übernahme der Gesellschaft durch die Konkurrenz. Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Air Berlin bangen jetzt um ihre Existenz. Aktuell hat eine andere Billig-Airline, die sich auch maßgeblich in die Tegel-Kampagne eingebracht hat, bereits viele ihrer Flüge und Flugverbindungen in Europa gestrichen. Allein in Deutschland sollen davon mindestens 125 Verbindungen, auch in Berlin, betroffen sein. Zukünftig werden vermutlich auch noch andere Billigflieger vom Markt verschwinden, denn das permanente Marktwachstum, das diese Gesellschaften aufgrund ihres Geschäftsmodells zum Überleben brauchen, wird früher oder später ausbleiben. Deshalb sehen wir bereits kurzfristig einen eher rückläufigen Trend bei den Passagierzahlen.

Warum sollten wir also weiter an Tegel festhalten? Aus Nostalgie, aus Bequemlichkeit, aus Trotz? Die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Berliner Problemflughafens können es jedenfalls nicht sein, denn gerade erst wurde Tegel zum unpünktlichsten Flughafen von ganz Deutschland gekürt. Auch bei den Flugausfällen liegt Tegel in Deutschland vorn, dicht gefolgt von Berlin-Schönefeld. Ohne umfangreiche Investitionen würde es in Tegel also auf keinen Fall weitergehen können.

Und könnte Tegel dann zumindest in der Theorie weiterbetrieben werden? Würde die EU die Neubeantragung der ausgelaufenen Betriebsgenehmigung anstandslos bewilligen? Diese wichtige Frage scheint bislang überhaupt noch niemand gestellt zu haben, denn es könnte ja sein, dass Tegel auch nach umfangreicher Sanierung und Umrüstung überhaupt nicht mehr genehmigungsfähig wäre. Dann wäre die aktuelle Situation geklärt und die Debatte überflüssig. Deshalb schlagen wir vor, diese wichtige Frage endlich zu stellen, denn die Berlinerinnen und Berliner brauchen Gewissheit!

Wir werden auf jeden Fall weitermachen mit unseren Umweltbildungsanstrengungen. Wir werden auch weiterhin Kindern und Jugendlichen unsere Umwelt erklären und ihnen die Zusammenhänge der verschiedenen Naturkreisläufe näherbringen. Wir werden ihnen das nötige Wissen für eine nachhaltige Lebensweise vermitteln und sie über Klimawandel und Umweltverschmutzung aufklären. Und wer weiß, vielleicht werden sie später einmal, wenn sie selbst vor die Wahl gestellt werden, eine andere, eine nachhaltige und umweltfreundliche Entscheidung treffen. Dafür arbeiten wir, dafür sind wir hier!